Baltische Historische Kommission

Die Kapitulationen von 1710

 Internationale Konferenz an der Universität Dorpat/Tartu, 23.-25.09.2010

 

Call for papers

 

Das Jahr 1710 markiert eine wichtige Zäsur in der baltischen Geschichte. Die schwedischen Garnisonen in Riga, Reval/Tallinn, Pernau/Pärnu und Dünamünde/Daugavgrīva, die Magist-rate der baltischen Städte sowie die Ritterschaften von Estland, Livland und Ösel/Saaremaa unterzeichneten Kapitulationen gegenüber der russischen Armee, die später vom Zaren bestä-tigt wurden. Diese Kapitulationen übertrugen nicht nur die Herrschaft über die Ostseeprovin-zen vom schwedischen König auf den russischen Zaren, sondern sicherten den Provinzen auch einen halb autonomen Status im Russischen Reich. Sie dienten als eine verfassungsähn-liche Grundlage für die Organisation des Innenlebens der Provinzen (Verwaltung, Kirche, Gesetze), weshalb ihre unterschiedliche Interpretation nicht verwundert. Besonders deutlich wurde die Kluft der zwischen den deutschbaltischen Eliten und der Regierung: Während die einen ihrer Privilegien wegen den Vertragscharakter der Kapitulationen betonten, verstand St. Petersburg sie als Dekret Peters des Großen, das jeder folgende Herrscher nur freiwillig bestä-tigt hatte, um sich die Möglichkeit vorzubehalten, die Autonomie der Provinzen zu beschnei-den.

 

Die Konferenz soll an Kapitulationen erinnern, die vor 300 Jahren vereinbart wurden, und ihren Kontext, ihre Wirkung sowie ihre Interpretationen analysieren. Die Organisatoren der Konferenz möchten daher zur Einsendung von Themenvorschlägen und kurzen Abstracts in Deutsch oder Englisch aufrufen. Die Vorträge können den spezifischen Kontext der Entste-hung der Kapitulationen untersuchen, ihre Wirkungsgeschichte in den folgenden Jahrhunder-ten behandeln sowie sich mit den historischen und juristischen Interpretationen ihres Inhalts bzw. ihrer Bedeutung beschäftigen. Zugleich sind uns Vorträge willkommen, die sich in einer komparatistischen historischen oder juristischen Perspektive mit der frühneuzeitlichen Tradi-tion derartiger Kapitulationsvereinbarungen in Europa befassen.

 

Die Konferenz wird gemeinsam organisiert von
- der Baltischen Historischen Kommission
- dem Institut für Geschichte und Archäologie der Universität Tartu
- der Juristischen Fakultät der Universität Tartu
- dem Historischen Institut der Universität Tallinn

 

Ihre Themenvorschläge und Kurzfassungen reichen Sie bitte bis zum 31. Januar 2010 bei Dr. Pärtel Piirimäe (partel.piirimae@ut.ee) ein.

Prof. Dr. Karsten Brüggemann (karsten.bruggemann@tlu.ee)
Prof. Dr. Mati Laur (mati.laur@ut.ee)
Prof. Dr. Marju Luts-Sootak (marju.luts@ut.ee)
Dr. Pärtel Piirimäe (partel.piirimae@ut.ee)
Prof. Dr. Matthias Thumser (xthumser@zedat.fu-berlin.de)