Konrad Maier

*28.12.1958 Forchheim,  2.6.2013 Südergellersen


Am 2. Juni 2013, nur eine Woche, nachdem er noch an unserem letztjährigen Historikertreffen teilgenommen hatte, ist unser Kommissionsmitglied und Lüneburger Kollege im Nordost-Institut, Dr. Konrad Maier, für alle völlig unerwartet in seinem Haus in der Nähe von Lüneburg verstorben. Er hinterlässt eine Frau und einen 16-jährigen Sohn.

Konrad Maier wurde am 28. Dezember 1958 im fränkischen Forchheim geboren. Nach Abitur und Zivildienst studierte er an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und wurde 1990 bei Prof. Dr.  Karl-Heinz Ruffmann mit einer Arbeit zur sowjetischen Afrikapolitik unter dem Titel „Das Guinea Sekou Tourés, zwischen Traditionalismus und Sowjetkommunismus“ promoviert. Zum 1. Juni 1992 nahm er am damaligen Institut Nordostdeutsches Kulturwerk in Lüneburg seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Lektor auf. Ab dem 1. Juli 1993 war er zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Bereich „Geschichte der Deutschen in Estland“ und als stellvertretender Verlagsleiter tätig. Im August 2001 übernahm er die Leitung des Verlages im Institut.

Beide Tätigkeitsbereiche, die Verlagsleitung und die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte des Baltikums, insbesondere Estlands und der deutsch-estnischen Beziehungen, prägten auch seine Mitarbeit im 2002 neu gegründeten Nordost-Institut in Lüneburg. Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur politischen Geschichte sowie Kunst- und Kulturgeschichte Estlands und war seit 2006 zusammen mit Karsten Brüggemann und Ralph Tuchtenhagen Mitinitiator und Mitherausgeber des geplanten dreibändigen Werks „Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region“. 2007 gehörte er zu den engagierten Initiatoren der „7th Conference on Baltic Studies in Europe“ in Lüneburg, die mit über 300 baltischen Wissenschaftlern aus aller Welt die bisher größte dieser Tagungen wurde.

Seiner Betreuung und Verantwortung unterlag die wissenschaftliche Zeitschrift des Institutes, das „Nordost-Archiv“, wie auch die 2003 beim Verlag Harrassowitz begründete Schriftenreihe „Veröffentlichungen des Nordost-Institutes“. Konrad Maiers umsichtiger Redaktionsarbeit ist zu verdanken, dass das „Nordost-Archiv“ in der scientific community einen stabilen Ruf genießt, 2011 den Status einer referierten Zeitschrift erhielt und seit 2012 in neuem modernen Layout erscheint. In Lüneburg engagierte er sich ferner in der Deutsch-Estnischen Gesellschaft e.V. in Lüneburg.

Seit Ende der 1990er Jahre war Konrad Maier zudem als Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg tätig. Sowohl am Historischen als auch am Finno-Ugrischen Seminar veranstaltete er Übungen zu seinem Forschungsschwerpunkt. Zuletzt erhielt er einen weiteren Lehrauftrag an der Alexander-von-Humboldt-Universität zu Berlin.

Für die Baltische Historische Kommission e.V., deren ordentliches Mitglied er seit 1999 war, gab er zusammen mit Matthias Thumser und Ralph Tuchtenhagen die „Reihe II. Schriften der Baltischen Historischen Kommission“ heraus. Zuletzt publizierte er in dieser Reihe zusammen mit Norbert Angermann und Wilhelm Lenz Band 17, der zugleich Band 1 der neuen, ebenfalls von Maier konzeptionell mitbedachten Unterreihe „Baltische Biographische Forschungen“ ist. Auch Band 2 der „Baltischen Biographischen Forschungen“, zurzeit in Bearbeitung, beruht noch auf seinen Ideen.

Ich sehe Konrad Maier heute wieder vor mir, wie er als Kollege und Freund fast jeden Morgen in mein Arbeitszimmer tritt, auf meinem kleinen Besuchersessel Platz nimmt und mit mir ganz kurz die kleinen Sorgen des privaten Daseins und Institutsalltages oder die großen Ärgernisse der Weltgeschichte durchgeht, bevor die Arbeit beginnt; oder wie er noch vor einem Jahr in Göttingen während der Sitzungspausen draußen auf dem Wilhelmplatz auf der Bank sitzt, unverkennbar mit seinem schwarzen, stets etwas zauseligem Haar und nachdenklichem Blick.

Wir alle haben Konrad Maier als einen überaus zuverlässigen, akribischen, engagierten, gerechten und menschlich angenehmen Kollegen erfahren und werden ihm ein ehrenvolles Gedenken bewahren.

 

Detlef Henning