Vorbemerkung

von Otto-Heinrich Elias

Das Deutschbaltische Rechtswörterbuch (DBRW) ist ein altes Vorhaben der Baltischen Historischen Kommission. Geplant war ein Werk, das dem Typus des Sachwörterbuchs entspricht; es geht also nicht um die Erfassung juristischer Termini in ihrem sprachlichen Zusammenhang, sondern um möglichst präzise Definitionen der aufgenommenen Institutionen und Rechtsbegriffe.

 

Das Deutschbaltische Rechtswörterbuch will nicht mehr sein als ein praktisches Hilfsmittel bei der Erschließung neuerer baltischer Rechtstexte. Es umfasst die Jahre von 1710 bis 1940, also einen Zeitraum von 230 Jahren, wenn man das "Nachumsiedlungsjahr" noch mitzählt.

 

Ursprünglich sollte es nur diejenigen Rechtswörter erklären, die nicht in der regulären deutschen Rechtssprache vorkommen, also die deutschbaltischen Sonderformen. Das wurde aber als unbefriedigend empfunden, weil der Zugriff des Benutzers oft erfolglos blieb. Zur Erleichterung des Zugangs wurden im Verlauf der redaktionellen Bearbeitung manche der ursprünglich sehr umfangreichen Rechtsworterklärungen in kleinere Einheiten zerlegt und dabei auch "normale" deutsche Rechtswörter als Lemmata ausgeworfen. Der Zusammenhang blieb durch das ausführliche Verweissystem gewahrt. Das DBRW beschränkt sich auf Termini der im weiteren Sinne juristischen Fach- und Verwaltungssprache und verweist nicht auf sprachliche, sondern auf sachlich verwandte Rechtsbegriffe. Wortfelder und Textzusammenhänge werden nur selten dokumentiert; die Belege nennen Quellen, oft aber nur Literatur.

 

An dieser Stelle soll auf ein verwandtes Unternehmen hingewiesen werden, mit dem unser Vorhaben weder konkurrieren kann noch soll: das Deutsche Rechtswörterbuch, herausgegeben von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Dieses sowohl im Druck als auch im Internet zugängliche außerordentlich umfangreiche "Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache" beschränkt sich nicht auf die Fachsprache des Rechts, sondern liefert auch Worterklärungen zu allen rechtlich bedeutsamen Wörtern der Alltagssprache, und zwar ab dem Beginn der schriftlichen Überlieferung bis 1800. Es enthält zwar auch deutsche Rechtswörter des baltischen Raums, aber der Bearbeitungszeitraum deckt sich mit dem des DBRW nur zum kleineren Teil. Die Rechts- und Verwaltungssprache einer Zeit, in der Liv- und Estland die Ostseeprovinzen des Russischen Reiches bildeten, ist hier nur zum Teil erfasst. Auch ist die Darbietung eine andere: Das Heidelberger Rechtswörterbuch bietet eine knappere Definition des Stichworts und dokumentiert dieses in einem oder mehreren Textfeldern samt Quellenbelegen. Es verweist auf alle sprachlich verwandten Termini. Gerade weil sich das Heidelberger Unternehmen nach Anlage und Umfang, Zeitraum und Zielsetzung von dem Vorhaben der Baltischen Historischen Kommission unterscheidet, können beide Rechtswörterbücher dem Benutzer sich einander ergänzend gute Dienste leisten.

 

Deutsches Rechtswörterbuch : Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache. Hrsg. von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Weimar: Boehlau Bd. 1 (1914/32)- . Bis Bd. 5 hrsg. von der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften. Nachdr. ersch. bei Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1998.
Online: www.deutsches-rechtswoerterbuch.de

 

Der Grundbestand des DBRW geht auf das 2002 verstorbene Mitglied der Baltischen Historischen Kommission Dr. Hermann Blaese zurück, der 1937 bis 1939 als Redakteursgehilfe am Kodifikationsdepartement des Justizministeriums in Riga und zugleich seit 1936 als Assistent mit Lehrauftrag für bürgerliches Recht und Rechtsgeschichte am Herder-Institut in Riga seine eingehende Kenntnis der Materie erworben hatte. Nach dem Krieg stand Hermann Blaese im Justizdienst des Landes Baden-Württemberg. Hilfsweise waren noch andere Mitglieder der Baltischen Historischen Kommission an dem Unternehmen beteiligt, von denen der 1998 verstorbene Archivdirektor Dr. Johann Karl von Schroeder als promovierter Jurist namentlich genannt werden soll. Nachdem Hermann Blaese die Arbeit aus gesundheitlichen Gründen aus der Hand geben musste, haben erst Prof. Dr. Alfred Schönfeldt, dann Dr. Otto-Heinrich Elias die Arbeit weitergeführt. Beide sind keine Juristen. Sie haben die fertiggestellten Artikel redigiert, Fehlendes nach bestem Wissen ergänzt, Unwesentliches ausgeschieden. Das Schicksal vieler deutschbaltischer Rechtsinstitutionen und Rechtswörter wird im DBRW über die historische Schwelle von 1918 hinaus in die Zeit der baltischen Republiken hinein weiter verfolgt. Nach 1918 in Estland und in Lettland neu entstandene Institutionen und Termini gehören nicht mehr zur deutschbaltischen Rechtsgeschichte und wurden nicht aufgenommen, obwohl Hermann Blaese das fallweise vorgesehen hatte. Die Entstehung des DBRW hat lange Zeit in Anspruch genommen, weil die wenigen Beteiligten dieses Vorhaben neben ihrer regulären Berufsarbeit und mancher anderen Forschungsarbeit vorangetrieben und schließlich zu einem Abschluss gebracht haben. Vollständigkeit wird nicht beansprucht. Die Präsentation im Internet erlaubt die nachträgliche Berichtigung von Irrtümern und die Ergänzung durch weitere Artikel. Die Benutzer werden hiermit aufgefordert, ihre Kenntnisse in diesem Sinne in das Unternehmen einzubringen.

 

Vaihingen an der Enz, im September 2006

Otto-Heinrich Elias